„Bürgerschaftliches Engagement“ – dieser Begriff steht für ein sich wandelndes Staats- und Gesellschaftsverständnis in Deutschland. Einerseits werden freiwillige gesellschaftliche Aktivitäten der Bürgerinnen und Bürger in Vereinen, Projekten und Initiativen ebenso wie in staatlichen Einrichtungen wiederentdeckt. Andererseits gewinnt das freiwillige gesellschaftliche Engagement von Wirtschaftsunternehmen vor dem Hintergrund der internationalen Debatten über „Corporate Social Responsibilty“ (CSR), „Corporate Responsibilty“ (CR) oder „Corporate Citizenship“ (CC) an Bedeutung. Individuelles und unternehmerisches Engagement in der Gesellschaft sollen die Herausforderungen des sozialen, ökonomischen, politischen und ökologischen Wandels nachhaltig lösen.
Das Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement analysiert die Strukturen, Funktionen und Wirkungen des freiwilligen gesellschaftlichen Engagements für Individuen, Organisationen und Gesellschaften und leistet Organisations- und Politikberatung.
Im Zentrum der Untersuchungen und Beratungstätigkeiten stehen sechs thematische Schwerpunktbereiche :
Neben staatlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen bilden Nonprofit-Organisationen wie z.B. Vereine und Verbände die dritte wichtige Organisationsform in modernen Gesellschaften. Lange Zeit wurden sie eher als „hybride“ Organisationen im Übergang unterschätzt. Erst in jüngerer Zeit werden sie als eigenständige Kraft des sozialen Zusammenlebens, als zivilgesellschaftlicher Garant für Demokratie und Wohlfahrt sowie als maßgebliche Institutionen bürgerschaftlicher Selbstorganisation wiederentdeckt. Vor diesem Hintergrund forscht und berät das Forschungszentrum für bürgerschaftliches Engagement zu Grundlagen, Veränderungen, Herausforderungen und Perspektiven von Nonprofit-Organisationen.
Die sich verändernde Aufgabenteilung zwischen Staat und Gesellschaft hat auch die Debatten über das freiwillige gesellschaftliche Engagement von Unternehmen in Bereichen wie Sport, Freizeit, Bildung, Kunst, Kultur oder Gesundheit wiederbelebt. Neben Mäzenatentum und Philanthropie einerseits und Sponsoring andererseits werden diese Debatten durch anglo-amerikanische Konzepte zu „Corporate Social Responsibilty“ (CSR) und „Corporate Citizenship“ (CC) maßgeblich beeinflusst und geprägt.
In diesem Kontext forscht und berät das Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement zu vielfältigen Fragen des unternehmerischen Bürgerengagements auf der Basis von Grundlagen- und anwendungsorientierten Evaluationsstudien.
Der Verlust des sozialen Zusammenhalts wird in modernen, liberal-individualistischen Gesellschaften immer nachdrücklicher beklagt. Als maßgebliche Ressource zur sozialen Integration gilt das „Sozialkapital“ („social capital“) einer Gesellschaft. Dieses Sozialkapital entsteht vor allem in den gemeinschaftlichen Beziehungsnetzwerken einer lebendigen Bürgergesellschaft – den Vereinen, Projekten und Initiativen in der assoziativen Lebenswelt.
Das Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement analysiert auf theoretischer und empirischer Ebene Entstehungsmechanismen, Strukturen und Bedeutung von Sozialkapital in modernen Gesellschaften.
Bürgerschaftliches Engagement gilt als ein sozialer Kontext, in dem Menschen lebensbegleitend und lebenslang in der konkreten Praxis lernen können. Dieser Bildungsprozess bezieht sich insbesondere auf den Erwerb von „Schlüsselkompetenzen“, die auch in anderen Settings (z.B. Schule oder Arbeitswelt) angewendet werden können.
Im Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement werden Institutionen, Formen und Wirkungen bürgerschaftlichen Engagements im Hinblick auf Prozesse des Bildungs- und Kompetenzerwerbs im und durch ein solches Engagement analysiert und bewertet.
Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in die Gesellschaft ist ein komplexer Prozess, an dem eine Vielzahl von Institutionen und Organisationen beteiligt sind. Bürgerschaftliches Engagement gilt als ein institutioneller Kontext, der Integrationsprozesse von Menschen mit Migrationshintergrund ermöglichen, aktivieren und fördern kann – in kultureller, sozialer, identifikatorischer und politischer Hinsicht.
Das Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement untersucht die Integrationspotenziale bürgerschaftlichen Engagements für Menschen mit Migrationshintergrund und sucht nach Wegen, diese Potenziale gewinnbringend nutzbar zu machen.
Vom gesellschaftlichen Wandel der Alterstruktur ist auch das bürgerschaftliche Engagement nachhaltig betroffen. Ausdruck dafür sind die quantitativen und qualitativen Veränderungen in der Engagementkultur, die sich auf die allgemeine Partizipation in der Gesellschaft ebenso beziehen wie auf die spezifischen Formen, sozialen Kontexte und Sinngebungen solcher Aktivitäten. Das Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement thematisiert diese Veränderungsprozesse insbesondere mit Blick auf das Alter(n), das als produktive Lebensphase für Individuum, Organisationen und Gesellschaft grundlegend neue Bedeutung gewinnt.