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Projekte
Corporate Citizenship. Gesellschaftliches
Engagement von Wirtschaftsunternehmen in Deutschland. Eine empirische
Untersuchung.
Leitung
Prof. Dr.
Sebastian Braun
Mitarbeiter
Dipl. Sportwiss. Marcel Pillath
Dipl. Sportwiss. Marc Kukuk
Kooperationspartner
Centrum für Corporate Citizenship Deutschland
forsa. Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen
mbH
Förderer
Deutsche BP AG
Laufzeit
01/2006 bis 01/2007
Zusammenfassung
Die Untersuchung beschreibt das gesellschaftliche Engagement von Wirtschaftsunternehmen
unter Berücksichtung gesellschaftspolitischer und unternehmensbezogener
bzw. geschäftsstrategischer Zielzuschreibungen. Insbesondere wird
dabei herausgearbeitet, inwieweit und in welcher Form deutsche Wirtschaftsunternehmen
abseits ihres Kerngeschäfts durch gesellschaftliches Engagement
in das Gemeinwesen involviert sind. Die Datenbasis hierzu liefert eine
bundesweit angelegte, quantitative Expertenbefragungen in Unternehmen
aller Größenklassen.
Problemstellung
Das gesellschaftliche Engagement verleiht dem Handeln von Wirtschaftsunternehmen
eine spezifische gesellschaftspolitische Dimension. Diese gesellschaftspolitische
Dimension wird unter dem Stichwort Corporate Citizenship derzeit verstärkt
sozialwissenschaftlich und öffentlich diskutiert. Im Mittelpunkt
stehen in diesem Zusammenhang die Aktivitäten eines Unternehmens,
die zur Entwicklung des Gemeinwohls beitragen könnten.
Dabei werden zunehmend auch die mit dem gesellschaftlichen Engagement
verbundenen Gewinne für die Unternehmen thematisiert, wodurch die
in Deutschland bislang sozialpolitisch geprägte (und somit von
„außen“ an die Unternehmen herangetragene) Diskussion
über das gesellschaftliche Engagement von Wirtschaftsunternehmen
eine zusätzliche Stoßrichtung bekommt, die eng mit den kommunikationspolitischen
Zielen von Unternehmen verbunden ist.
Somit lautet die in der Corporate Citizenship-Debatte vielfach proklamierte
Idee einer „win-win-Situation“: Beide Seiten, das Gemeinwesen
und die Unternehmen, können und sollen vom Corporate Citizenship
profitieren. Unternehmen, die sowohl den Nutzen für das Gemeinwesen
als auch ihren eigenen anstreben würden, integrierten Aktivitäten
des gesellschaftlichen Engagements in die Unternehmensstrategie und
würden solche Aktivitäten als Investitionen in die Zukunft
begreifen, die sich dazu eigneten, das Verhältnis von Wirtschaft
und Gesellschaft neu auszutarieren und zu verbessern.
Vor diesem Hintergrund besteht das Ziel der Untersuchung darin, auf
empirischer Basis das Corporate Citizenship in Deutschland im Sinne
eines gesellschaftlichen Engagements von Wirtschaftsunternehmen zur
Erreichung gesellschafts- und unternehmensbezogener Ziele zu analysieren.
Die leitende Fragestellung lautet dabei: Inwieweit und in welcher Weise
setzen sich Unternehmen in Deutschland über ihre eigentliche Geschäftstätigkeit
hinaus für gesellschaftliche Belange ein?
Mit dieser leitenden Fragestellung der Untersuchung sind weitere Unterfragen
verknüpft, um die gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bedeutung
des Corporate Citizenship deutscher Unternehmen herauszuarbeiten: Welche
gesellschaftsbezogenen und welche unternehmensbezogenen Ziele verfolgen
die Unternehmen mit ihren Corporate Citizenship-Maßnahmen? Inwiefern
werden Corporate Citizenship-Maßnahmen geschäftsstrategisch
geplant und umgesetzt? Und welche gesellschaftspolitischen und unternehmensbezogenen
Einstellungen verbinden Unternehmen mit dem Thema Corporate Citizenship?
Methode
Zur Untersuchung des gesellschaftlichen Engagements der Unternehmen
in Deutschland wurde mit Hilfe von forsa Gesellschaft für Sozialforschung
und statistische Analyse mbH eine bundesweite Unternehmensbefragung
mit Hilfe quantitativer Methoden der Sozialforschung durchgeführt.
In Form von computergestützten Telefoninterviews (CATI-System)
wurden relevante Experten aus insgesamt 501 KMU und Großunternehmen
zum gesellschaftlichen Engagement ihres Unternehmens befragt. Eine disproportional
angelegte Stichprobe ermöglichte dabei – auf einer ausreichend
statistischen Fallzahl basierende - vergleichende Analysen von Unternehmen
verschiedener Größenklassen.
Ergebnisse
Die detaillierten Ergebnisse dieses Forschungsprojekts sind in einem
kommentierten Datenbericht (PDF,
403 KB) aufgeführt.
Zentrale Ergebnisse wurden anschaulich von Silvia Bose
für den Radiosender WDR 5 im Frage-Antwort-Stil zusammengefasst:
Wie sieht das soziale Engagement von Unternehmen
aus?
Die meisten spenden Geld oder Sachmittel. Corporate Giving nennt sich
diese klassische Form des Engagements. Mittlerweile setzt aber mehr
als jedes zweite Unternehmen das sogenannte Corporate Volunteering ein.
Das heißt: Sie spenden Zeit oder auch Know-how ihrer Mitarbeiter.
Eine Gärtnerei lässt zum Beispiel einen Kollegen den Abenteuerspielplatz
begrünen oder stellt ihn für seinen Einsatz bei der Freiwilligen
Feuerwehr frei.
Was unterstützen die Unternehmen?
Unternehmen setzen sich vor allem für Sport und Freizeit ein. Auch
Erziehung, Bildung und Soziales sind wichtige Felder für das soziale
Engagement. Davon profitieren Vereine, Schulen oder Kindergärten
– vor allem die in der Nachbarschaft des Unternehmens. Die Firmen
arbeiten oft mit gemeinnützigen Organisationen oder Initiativen
zusammen. Mehr als ein Drittel wendet sich aber auch an staatliche Akteure
in den Kommunalverwaltungen.
Um wie viel Geld geht es bei dem Engagement?
Drei Viertel der Unternehmen lassen sich ihr soziales Engagement etwa
50.000 Euro im Jahr kosten. Das ist aber nur ein Durchschnittwert. Manch
ein kleines Unternehmen gibt nur 5.000 Euro im Jahr aus. Große
Firmen zahlen auch schon mal mehr als 100.000 Euro.
Welche Ziele verfolgen die Unternehmen mit ihrem
Engagement?
Jedes zweite Unternehmen will gesellschaftliche Verantwortung übernehmen
oder seinen Standort lebenswerter gestalten. Wirtschaftlicher Erfolg
spielt dagegen eine untergeordnete Rolle – vor allem bei kleinen
Unternehmen. Die großen Unternehmen zielen eher darauf, ihr Image
zu verbessern. Übrigens: Die wenigsten Unternehmen suchen aktiv
nach Projekten. Die Mehrzahl engagiert sich nur, wenn Vereine, Wohlfahrtsverbände
oder auch Kommunen um Hilfe bitten.
Soziales Engagement – pures PR für Unternehmen?
Nein! Nur jedes sechste Unternehmen wirbt mit seinen guten Taten. Welches
Unternehmen will schon den Verdacht erwecken, das Engagement als pures
PR-Instrument zu missbrauchen, und seine Glaubwürdigkeit verspielen?
Download
Externe Links
Extras
Zentrale Ergebnisse des Forschungsprojekts Gesellschaftliches Engagement
von Unternehmen in Deutschland sind im Rahmen eines Schwerpunktheftes
der Zeitschrift „Stiftung & Sponsoring" (05/2007) erschienen.
Das Heft mit dem Beitrag von Prof. Dr. Dr. Sebastian Braun und Holger
Backhaus-Maul (Universität Halle) steht kostenlos beim Forschungszentrum
für Bürgerschaftliches Engagement zum Download bereit.
Der vorliegende Beitrag zeigt wichtige theoretisch konzeptionelle Bezüge
auf und verdeutlicht anhand ausgewählter empirischer Befunde einer
im Jahre 2006 durchgeführten Unternehmensbefragung das Selbstverständnis
und die tätige Praxis des freiwilligen gesellschaftlichen Engagements
von Unternehmen in Deutschland. Die Analyse macht deutlich, dass sich
das freiwillige gesellschaftliche Engagement von Unternehmen im Spannungsfeld
zwischen Philanthropie und wirtschaftlicher Verwertung entwickelt und
angesichts der Internationalität des Themas und der Beteiligung
namhafter deutscher Großunternehmen derzeit besondere Dynamik
erfährt, wobei die Tradition der sozialen Marktwirtschaft und die
faktische Bedeutung von Klein- und Mittelunternehmen ein hohes Maß
an schöpferischem Eigensinn erzeugen.
Download (164 KB)
Literatur
Backhaus-Maul, H. & Braun, S. (2007). Gesellschaftliches Engagement
von Unternehmen in Deutschland. Stiftung und Sponsoring, 10 (5), Beilage
Rote Seiten.
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