| |
Ziele
Themen
Struktur
Projekte
Promotionen
Publikationen
Personal
|
Projekte
Sozialintegrative Potenziale bürgerschaftlichen
Engagements für Jugendliche in Deutschland - Eine Expertise im
Auftrag der Bertelsmann Stiftung
Leitung
Prof. Dr.
Sebastian Braun
Mitarbeiter
Marcel Pillath
Marco Rühmann
Auftragsgeber
Bertelsmann Stiftung
Laufzeit
10/2006 bis 04/2007
Zusammenfassung
Im Zentrum der Studie, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt
wurde, steht die leitende Fragestellung, ob und in welcher Weise bürgerschaftliches
Engagement von Jugendlichen als einer spezifischen Form der Gemeinschaftsarbeit
in „Wahlgemeinschaften“ wie z.B. Vereinen, Projekten, Initiativen
und anderweitigen selbst organisierten Vereinigungen zur sozialen Integration
der engagierten Jugendlichen beiträgt.
Diese Fragestellung wird einerseits vor dem theoretischen Hintergrund
einer doppelten Argumentationsfigur über die „binnenintegrativen“
und „außenintegrativen“ Leistungen bürgerschaftlichen
Engagements für Jugendliche untersucht. Andererseits wird ein differenzierter
Begriff von sozialer Integration zugrunde gelegt. Dieser Begriff unterscheidet
zwischen den Integrationsmechanismen der „Platzierung“ im
Sinne der Zugangsmöglichkeiten zu gesellschaftlichen Positionen,
der „Kulturation“ im Sinne des Erwerbs von kulturellem Kapital
(z.B. Wissen und Kompetenzen) sowie der „Interaktion“ im
Sinne des Aufbaus von sozialem Kapital (z.B. soziale Beziehungen und
Netzwerke).
Vor diesem theoretischen Hintergrund werden empirische Ergebnisse einschlägiger
Untersuchungen in Deutschland über das bürgerschaftliche Engagement
von Jugendlichen in Deutschland sekundäranalytisch aufbereitet
und interpretiert. Unter dem Gesichtspunkt der sozialen Integration
über Platzierungsinklusion lassen die Befunde erkennen, dass die
Zugangschancen für Jugendliche zu bürgerschaftlichem Engagement
sozial ungleich verteilt sind. Bürgerschaftliches Engagement hat
einen engen Zusammenhang mit dem verfügbaren kulturellen und sozialen
Kapital der Jugendlichen, das ihnen frühzeitig im Schoß der
Familie weitergegeben wird. Es spricht vor allem solche Jugendlichen
an, die über einen „Habitus“ verfügen, der in
der sozialen Praxis bildungsorientierter, wertebewusster bürgerlicher
Familien vermittelt wird. Offenbar schneidet sich selbst das sog. „neue
Ehrenamt“ nicht aus den bürgerlich-kulturellen Traditionen
heraus, in deren Kontext es in Deutschland entstanden ist.
Wenn Jugendliche Zugang zu bürgerschaftlichem Engagement finden,
dann können sie im Zuge ihrer Gemeinschaftsarbeit ihr kulturelles
Kapital insbesondere über informelle Lernprozesse erhöhen
(soziale Integration über Kulturation). Dieses kulturelle Kapital
dient den engagierten Jugendlichen offenbar einerseits dazu, in ihrer
Wahlgemeinschaft sinnhaft, verständig und erfolgreich handeln zu
können und auf diese Weise in die Wahlgemeinschaft sozial integriert
zu werden. Andererseits wird dieses kulturelle Kapital auch außerhalb
des bürgerschaftlichen Engagements genutzt, so dass dieses Engagement
ein praktisches Lern- und Erfahrungsfeld darzustellen scheint, auf dem
Jugendliche ihre Kompetenzen weiterentwickeln und erweitern können,
die sie wiederum in schulischen, beruflichen oder privaten Kontexten
nutzen können.
Darüber hinaus lassen die vorliegenden Daten erkennen, dass Jugendlichen
durch ihr bürgerschaftliches Engagement günstige Gelegenheitsstrukturen
eröffnet werden, um soziale Beziehungen und ganze soziale Netzwerke
aufzubauen und auf diese Weise ihr individuelles soziales Kapital zu
erhöhen. Dieses soziale Kapital bildet einerseits eine maßgebliche
Grundlage dafür, dass die Jugendlichen in ihre Wahlgemeinschaften
sozial (und ggf. dauerhaft) integriert werden. Andererseits stellt dieses
soziale Kapital eine Ressource dar, auf die die Jugendlichen auch jenseits
ihres bürgerschaftlichen Engagements zurückgreifen können,
um sich z.B. soziale Unterstützungs- und Hilfeleistungen zu erschließen.
Vor dem Hintergrund der empirischen Ergebnisse und deren Interpretation
werden abschließend Handlungsempfehlungen formuliert, die sich
auf drei Aspekte beziehen: erstens die Entwicklung einer pädagogisch
fundierten Bildungskonzeption im Hinblick auf bürgerschaftliches
Engagement im Sinne einer „Erziehung zum bürgerschaftlichen
Engagement“ und einer „Erziehung durch bürgerschaftliches
Engagement“, zweitens die Förderung und die Zertifizierung
des Erwerbs von kulturellem Kapital durch bürgerschaftliches Engagement
und drittens die Förderung von Gelegenheitsstrukturen zum Aufbau
von sozialem Kapital durch ein solches Engagement.
Ausgewählte Veröffentlichungen
Braun, Sebastian (2007). Sozialintegrative Potenziale bürgerschaftlichen
Engagements für Jugendliche in Deutschland. Eine Expertise im Auftrag
der Bertelsmann Stiftung. Paderborn: Forschungszentrum für Bürgerschaftliches
Engagement an der Universität Paderborn.
Downloads
Expertise (pdf,
535 kb)
Externe Links
Bertelsmann
Stiftung: Kindern die Chance zum Einsatz für die Gesellschaft geben
Bertelsmann
Stiftung: Carl Bertelsmann-Preis 2007: “Gesellschaftliches Engagement
als Bildungsziel”
zur
Übersicht
|
|
|