Kontakte - Zeitschrift der Katholischen Landjugenbewegung - 05/2009

Interview mit Bettina Göbner: "Ohne Ehrenamtliche wäre es in Deutschland ganz schön düster!"

Herr Professor Braun, immer mehr Deutsche engagieren sich in ihrer Freizeit. Was gibt es sonst noch Neues von den Ehrenamtlichen?

Engagement ist heute anders als vor einigen Jahrzehnten. Die Menschen, die sich jahre- und jahrzehntelang im gleichen Verein engagieren, werden weniger. Viele Ehrenamtliche wollen heute eher kurzfristig etwas tun. Sie suchen sich ein Projekt, das gut zu ihnen passt, und bringen sich für einen gewissen Zeitraum ein. Dann sind sie aber auch wieder weg und suchen sich etwas Neues, etwas anderes Spannendes.

Was bedeutet das für Vereine und Verbände?

Sie müssen sich mehr für ihre Ehrenamtlichen engagieren. Dass jemand dabei bleibt, wenn man ihn einmal gewonnen hat, ist heute nicht mehrt selbstverständlich. Das heißt, Vereine und Verbände müssen sich gezielt überlegen, wie sie Ehrenamtliche ansprechen können, und auch, welches Projekt zu welchen Menschen passt. Sie brauchen eine Art Freiwilligenmanagement.

Viele Ehrenamtliche wollen ja nicht nur geben, sondern auch etwas mitnehmen aus ihrer Arbeit. Was erhoffen sie sich?

Zum einen geht es ihnen ganz praktisch darum, bestimmte Fähigkeiten auszuprobieren oder zu erhalten. Zum Beispiel können Computerspezialisten praktische Erfahrungen sammeln oder eine Mutter, die gerade Babypause macht, bleibt in ihrem Beruf fit. Zum anderen, und das ist natürlich viel bedeutender, entwickeln Ehrenamtliche ihre Persönlichkeit weiter. Sie lernen im Team zusammenzuarbeiten, sich für etwas einzusetzen, Probleme kreativ anzugehen. Und das Ganze findet in einem weniger formalisierten Kontext statt – das heißt, wenn mal etwas schief geht, wird man nicht entlassen, sondern bekommt eine zweite Chance.

Was würde uns in Deutschland fehlen, wenn es keine Ehrenamtlichen gäbe?

Ehrenamtliche leisten Millionen von Stunden in Bereichen, in denen man das Personal gar nicht angemessen bezahlen könnte. Ohne Ehrenamtliche gäbe es viel weniger Jugendarbeit, deutlich weniger Besuchsdienste für Senioren, keine Sportvereine. Auch müssten Hallenbäder und Museen schließen. Wer sich engagiert, der gestaltet unsere Gesellschaft mit, denn hinter Engagement steckt immer auch politischer Gestaltungswille. Und zu guter Letzt sind die Ehrenamtlichen auch wichtig für den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft: Denn wer gemeinsam etwas tut, der versteht sich auch gut.




 
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