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Westfälisches
Volksblatt - 08/2006
Vereinsarbeit sollte Chef freuen
Professor Braun: ehrenamtliches Engagement verdient Unterstützung
Paderborn (WV). Eine bessere Steuerung von Sportvereinen, mehr aktive
Menschen im Ehrenamt – diese und andere Ziele hat sich das Forschungszentrum
für bürgerschaftliches Engagement der Universität Paderborn
unter der Leitung von Professor Sebastian Braun (34) auf die Fahne geschrieben.
Das Forschungszentrum, das 2005 im Bereich Sportwissenschaften der Hochschule
Paderborn eingerichtet wurde, sieht das bürgerschaftliche Engagement
als einen notwendigen Bestandteil für das Funktionieren einer Demokratie.
„Der Sozialstaat zieht sich immer mehr aus seinen originären
Aufgabenfeldern zurück“, weiß Professor Braun. Damit
werde beispielsweise das Ehrenamt in den Vereinen gesellschaftspolitisch
immer wichtiger. Aber auch Wirtschaftsunternehmen nehmen nach Auskunft
des Fakultätsleiters eine immer wichtigere Rolle für das Vereinsleben
ein. „Die Firmen beauftragen uns zunächst, eine Mitarbeiterstudie
durchzuführen“, verrät Braun, der zum Beispiel schon
für E.ON Westfalen Weser initiativ geworden ist. „Die Mitarbeiter
müssen dann einen Fragebogen ausfüllen, ob und – wenn
ja – wie sie gesellschaftlich aktiv werden.“ Die ausgewerteten
Daten werden dann der Unternehmensführung vorgelegt, die dann betriebliche
Entscheidungen trifft, damit die Mitarbeiter ihrer Vereinstätigkeit
nachgehen können. „Beispielsweise schafft ein Gleitzeitmodell
flexiblere Arbeitszeiten“, informiert der Professor, der neben
der Selbstverwirklichung der Mitarbeiter aber auch Vorteile für
das Unternehmen sieht. „Damit steigt deren Bekanntheitsgrad in
allen gesellschaftlichen Gruppen und damit der gute Ruf“, weiß
Braun und fügt hinzu: „Die Wirtschaft muss noch viel mehr
verstehen, welche Vorteile sich dadurch ergeben.“ Besonders wichtig:
Die Anerkennung der aktiven seitens der Unternehmensleitung. Dabei müsse
kein Geld fließen, eine Anerkennung in Form von betrieblicher
Unterstützung reiche schon aus. „Es klingt banal, aber es
motiviert schon sehr, wenn die Mitarbeiter Faxe oder Computersysteme
für ihre Vereinsaktivität nutzen können“, informiert
Braun. Insgesamt sei die Bereitschaft zu bürgerschaftlichem Engagement
sehr groß. „25 Millionen Menschen sind hierzulande aktiv,
Tendenz steigend“, freut sich der Sportwissenschaftler. Dabei
liege der Sport mit elf Prozent ganz vorne, jeweils mit fünf Prozent
folgen Freizeit- und kulturelle Vereine, gefolgt vom sozialen Engagement.
Das Department Sport und Gesundheit der Universität Paderborn veranstaltet
vom 25. bis 27. September eine Tagung zum Thema „Steuerung im
organisierten Sport“ im Ahorn-Sportpark. „Dort wird zum
Beispiel erklärt, wie man die Vereinsstruktur verändern muss,
um neue Mitglieder zu gewinnen“, sagt Braun. Lösungen wären
zum Beispiel ein neues Finanzmanagement oder mehr alternative Sportangebote.
„Die Vereine müssen in Zukunft wesentlich kundenorientierter
denken“, fordert der Sportwissenschaftler.
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