Interview mit der Leipziger Volkszeitung 02/2009

Eltern schrauben Mühlenspielplatz zusammen

Ab März bauen freiwillige Helfer unter Anleitung auf der Festwiese in Frankenheim-Lindennaundorf Areal für Kinder Markranstädt (ken). In Markranstädts Ortsteil Frankenheim-Lindennaundorf packen ab März freiwillige Helfer an: Unter der Regie des Projektentwicklers Manfred Wende aus Knauthain und begleitet von der Stadtverwaltung wollen sie an mehreren Samstagen einen Spielplatz für jüngere Kinder auf der Festwiese bauen.

Bauamtsleiterin Uta Richter stand Mitte 2008 vor der Frage, wo sie zwei Rutschen hinsetzt. Wünsche gab es im Ortschaftsrat viele. „Okay, ihr bekommt, aber ihr zieht mit“, hörten auch die Frankenheim-Lindennaundorfer.
„Wir hatten uns schon zum Heimatfest einen weiteren Spielplatz gewünscht“, erzählte Jens Schwertfeger. Dann sei die Stadt mit Entwurf und Projektentwickler angerückt und habe ein Spielareal mit einer kleinen Mühle vorgeschlagen, damit sich die Bockwindmühle dort widerspiegelt. „Wir wollen unsere Plätze thematisch gestalten und nicht nur mit Kataloggeräten“, bekräftigte Richter, die so den Ortschaften „ein Gesicht“ geben möchte. „Wenn sich Bürger beteiligen, haben wir ganz andere Möglichkeiten“, betonte sie. Ein seit Jahresanfang bei der Stadt angestellter Landschaftsarchitekt helfe, Ideen für kreative, unverwechselbare Spielplätze umzusetzen. „In Göhrenz planen wir einen zum Thema „Dinosaurier“. Die Aufbauarbeit leisten Ehrenamtliche. Dadurch werde der Haushalt weniger belastet und man könne mit eingesetzten Mitteln mehr erreichen, sagte die Bauamtsleiterin.

An mehreren Wochenenden, Ostern ausgenommen, wollen sich die Helfer zusammenfinden. „Für den ersten Termin haben sich ein Dutzend Eltern und Großeltern angekündigt“, berichtete Schwertfeger, der das Projekt mit dem Ortschaftsrat koordiniert. Die Stadt stelle technische Planungsleistungen, Tüv-Abnahmen, Baubetreuung und Material. Projektentwickler Wende hatte bereits 2005 mit Anwohnern der Angersiedlung einen Spielplatz aufgebaut (die LVZ berichtete).

„Die Orte bestimmen mit, wie ihre Freiflächen aussehen und können ihre Identität mit aufbauen“, betonte Richter. Das sei ein Gewinn. Durch das Gemeinschaftswerk hofft sie auch auf weniger Schäden durch Vandalismus.
„Ungewöhnlich“ fand Schwertfeger anfangs die Idee, die bald Eltern aus dem Ort als Probanden in Markranstädt umsetzen. „Wir standen vor der Frage: Können wir das schaffen?’ Und dann sind wir eben eher die Macher, als dass wir uns bedienen lassen.“

LVZ-Interview mit Sebastian Braun, Direktor des Forschungszentrums für bürgerschaftliches Engagement:

Frage: Was bringt bürgerschaftliches Engagement außer Kostenersparnis?
Der Mehrwert liegt im Sozialkapital. Durch gemeinsame Aktivitäten entsteht eine soziale Verbindung, die als Gleitmittel gesellschaftlichen Lebens funktioniert und weniger Kontrolle erfordert. Der Staat kann dafür die Rahmenbedingungen wie zum Beispiel besseren Versicherungsschutz schaffen.

Frage: Sehen Sie auch Gefahren des Ehrenamts?
Die Gefahr besteht, dass der Bürger als Ausfallbürge dastehen kann und zusehen muss, ob und wie er eine Einrichtung erhält, für die öffentliche Institutionen kein Geld mehr haben. Wenn sich jemand freiwillig einbringt, muss er aber auch an politischen Entscheidungen teilhaben können.

Frage: Wie weit kann und soll das Amt gehen?
Es darf nicht gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen, was passiert, wenn es von Rechtsextremisten instrumentalisiert wird. Wenn Bürger Straßen oder Kanalisation selbst bauen, ist für mich eine Schmerzgrenze erreicht. Genauso, wenn Arbeitslosigkeit durch Bürgerarbeit kompensiert wird. Das moderne Ehrenamt ist zeitlich befristetes Engagement von Menschen in bestimmten Lebenssituationen, anders als das „Einmal dabei – immer dabei“, das es heute noch in vielen Vereinen gibt. Bei den Jüngeren wird es üblicher, sich auch mal wenige Stunden zum Beispiel in einem Hospiz zu engagieren.

Interview: Kendra Reinhardt



 
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