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Neue Westfälische - 09/2008
Die Verantwortung der Wirtschaft für die Gesellschaft
200 Unternehmer aus der Region wollen heute Charta unterzeichnen / Hoffen auf bundesweite Wirkung
Paderborn (sch). Rund 200 Unternehmer aus Ostwestfalen-Lippe wollen heute Abend eine Charta unterschreiben, in der sie sich verpflichteten, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Das Engagement soll reichen von Geldspenden über Know-how bis zu Patenschaften für soziale Einrichtungen. 19 heimische Unternehmen von Bette bis Wincor Nixdorf haben die Charta als Erstunterzeichner unterschrieben.
„Die Charta soll bundesweit ausstrahlen“, hoffte Sebastian Braun. Er ist Professor an der Universität Paderborn und Leiter des Forschungszentrums für Bürgerliches Engagement.
Er hat ein zweitägiges Symposium im Heinz-Nixdorf-Forum organisiert, das das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen von wissenschaftlicher Seite aus beleuchtet.
Das Problem der mittelständigen Wirtschaft sei, das nach dem Prinzip gearbeitet werde: „Tue Gutes, aber rede nicht darüber“. Dadurch fehlt es an der Vernetzung und an der Öffentlichkeit. Beide Faktoren könnten aber dafür sorgen, dass das freiwillige unternehmerische Engagement deutlich effektiver werde. „Viele Unternehmen agieren in diesem Bereich eher spontan und zufällig“, erklärt Braun. Helfen würde aus seiner Sicht ein Ankoppeln dieses Engagements, das im Fachjargon Corporate Social Responsibility (CSR) heißt, an das Kerngeschäft des Unternehmens.
Dabei gehe es keinesfalls darum, das zurückgehende staatliche Engagement durch Initiativen von Firmen auszugleichen. „Das lässt sich nicht kompensieren“, sagt Braun. Unternehmen können zwar wertvolle, ergänzende Partner sein. „Aber sie können nicht Lückenbüßer sein.“ Wenn der Staat nicht die Rahmenbedingungen schaffe, könne das unternehmerische Engagement wenig bewirken.
Ziel der Charta ist es, Unternehmen aufmerksam zu machen auf die Verantwortung, die der Wirtschaft im Gemeinwesen zukomme. Deshalb gebe es in ihr keine konkrete – möglicherweise gar zahlengestützte – Vorgabe. Eine vertragliche Verpflichtung, einen gewissen Prozentsatz des Umsatzes für bürgerliches Engagement zu investieren, lehnt Braun ab. „Wir wollen zunächst einfach für das Thema sensibilisieren.“
Anmeldungen zum Kongress, der heute um 12.30 Uhr im Heinz-Nixdorf-Forum in Paderborn beginnt, sind an der Tageskasse noch möglich.
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