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Neue Westfälische - 09/2008
Die Charta der vereinten Unternehmer
96 Prozent der Mittelständler engagieren sich nach einer Studie schon – allerdings ohne System
Paderborn. Seit gestern hat die Welt eine Erklärung mehr, deren Umsetzung sie zweifellos zu einem angenehmeren Ort machen würde: Die Charta „Verantwortung übernehmen – sich nachhaltig engagieren – vernetzt handeln“ für das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen. Etwa 200 Wirtschaftsvertreter aus Ostwestfalen-Lippe trafen sich gestern Abend auf Einladung der IHK Ostwestfalen und der Stadt Paderborn im Rathaus zur Initialzündung für das Projekt des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement.
Rahmen für die Erstunterzeichnung durch 19 Firmenvertreter ist ein zweitägiger Kongress in Regie des Forschungszentrums für Bürgerliches Engagement an der Universität Paderborn im Heinz Nixdorf Museumsforum mit 200 Teilnehmern auch aus Österreich und der Schweiz. Initiator Prof. Dr. Sebastian Braun: „Wir wollen für ein Thema sensibilisieren, das bisher nicht groß auf der Agenda steht.“
Gesellschaftliches Engagement – ob für die Freiwillige Feuerwehr vor Ort oder eine Anti-Aids-Kampagne in Afrika – lohnt sich, weil dies eine gute Investition ins Gemeinwesen ist. So lautet das Credo der Charta, die auf Austausch und Vernetzung von Unternehmen und Freiwilligkeit im Engagement setzt. Dazu wollen die Unterzeichner – inzwischen bundesweit nach Angaben von Braun schon mehr als 80 Unternehmen – mit Akteuren aus gemeinwohlorientierten Organisationen, Mitteln und der öffentlichen Verwaltung zusammen arbeiten, Projekte entwickeln und sich vernetzen.
Gleichzeitig wird an Politik und Verwaltungen appelliert, förderliche Rahmenbedingungen für Unternehmerengagement und Beiträgen für öffentliche Anerkennung zu schaffen. NRW-Familienminister Armin Laschet am Abend: „Die Erstunterzeichner setzen ein Beispiel für andere, die hoffentlich deutschlandweit folgen. Eine sehr erfolgreiche und aktive Wirtschaftsregion setzt Zeichen.“
Imagepflege spielt – wie der ausdrückliche Blicke auf den Zusammenhalt des Großen Ganzen – offenbar vor allem für Großunternehmen eine wichtige Rolle, wenn sie sich engagieren. Wie aus einer sozialwissenschaftlichen Studie hervorgeht, die derzeit am Paderborner Forschungszentrum entsteht, engagieren sich tatsächlich 96 Prozent aller repräsentativ befragten mittelständigen Unternehmen (mit mehr als einer Millionen Euro Jahresumsatz bzw. zehn Mitarbeitern) gesellschaftlich – womit nicht das reine Sponsoring gemeint ist. Zumindest geschieht das der Untersuchung zu Folge, die im kommenden Frühjahr veröffentlichen werden soll, im lokalen Umfeld in den Bereichen Sport oder Freizeit. Professor Braun: „ Sie machen das aber eher unsystematisch und spontan.“ Der Befund, den Braun gestern auf dem Kongress vorstellte, werde von einer in der Schweiz gerade begonnen Untersuchung bestätigt, hieß es aus dem Teilnehmerkreis.
„Tue Gutes und rede darüber“
Unternehmer wollen sich engagieren – aber auf ihre Weise, ohne Zwang, ohne Vorschriften. Diesen Appell nahm NRW-Minister Armin Laschet gestern vom Unternehmerabend mit 200 Teilnehmern aus OWL im Paderborner Rathaus mit. IHK-Präsident Ortwin Goldbeck sprach von der „Renaissance des ehrbaren Kaufmanns“, um die es für die Unternehmerschaft in der öffentlichen Wahrnehmung gehe – gerade wenn Schwarze Schafe die Nachrichten beherrschen. Goldbeck: „Das Motto ´Tue Gutes und rede darüber` hat noch niemandem geschadet.“ Einige Unternehmen haben unterdessen schon erkannt, dass Mitarbeiter Qualifikationen aus ehrenamtlichen Aktivitäten auch ins Unternehmen selbst positiv einbringen. Hennings Probst, Vorstandsvorsitzender von Eon Westfalen Weser: „Deshalb unterstützen wir solches Engagement unserer Mitarbeiter.“ Bei der Ford GmbH stehen jedem Mitarbeiter sogar 16 Stunden jährlich für Ehrenamtliches zu. Den Weg über eine Kindergartenpartnerschaft geht die MIT Moderne Industrietechnik aus Vlotho. Deren Chef Hans-Dieter Tenhaef: „Wir brauchen dringend Fachkräfte. Wenn wir schon die Kleinsten für Technik begeistern können, ist das ein Anfang.
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