| Newsletter der „Aktion zusammen wachsen“- 10/2009 Sonderausgabe mit dem Schwerpunkt „Patenschafts- und Mentoringprojekte von und mit Migrantenorganisationen“ [Auszug] Migrantenorganisationen sind wichtige Akteure in Patenschafts- und Mentoringprojekten – als Träger oder als Kooperationspartner können sie viel erreichen Migrantenorganisationen sind wichtige Akteure in Patenschafts- und Mentoringprojekten. Ihre Beteiligung als Träger oder Kooperationspartner bringt allen Beteiligten Gewinn: Sie sind Experten für die Bedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund und kennen deren Hintergründe und Interessen. Aber auch für die Migrantenorganisationen selbst ist die Patenschaftsarbeit wertvoll. Sie bringen ihre Stärken ein und leisten einen wichtigen Beitrag für die Integration. Vielfach knüpfen sie neue Kontakte, die für ihre Arbeit generell hilfreich sind. Für unerfahrene Organisationen kann eine Zusammenarbeit mit etablierten Trägern große Vorteile bringen. Stiftungen oder Wohlfahrtsverbände können die Migrantenorganisationen durch ihre Erfahrungen, Professionalität und Vernetzung vor Ort gezielt unterstützen. Die Beteiligung der Migrantenorganisationen an der Patenschaftsarbeit kann ganz unterschiedlich gestaltet sein. Sie reicht von loser Kooperation, bei der die Beteiligten selbständig bleiben, bis zu Tandempartnerschaften, bei denen sich ein etablierter Träger und eine Migrantenorganisation zusammenschließen und ein Projekt gemeinsam planen und realisieren. Dass es eine Vielzahl an erfolgreichen Modellen gibt, zeigen die unten stehenden Praxisbeispiele. Allerdings sind Patenschafts- und Mentoringprojekte, bei denen etablierte Träger mit Migrantenorganisationen kooperieren oder gemeinsam die Trägerschaft übernehmen, zwar im Kommen, aber noch nicht die Regel. Auch als alleiniger Träger eines Projekts fungieren sie vergleichsweise selten. „Leider gibt es kaum Daten und Fakten zur Einbindung und zum Selbstverständnis von Migrantenorganisationen. Wir wissen noch nicht einmal, wie viele Organisationen es überhaupt gibt und wie sie strukturiert sind. Das ist ein echtes Defizit. Die politische Debatte hat hier die wissenschaftliche überrannt“, sagt Prof. Dr. Sebastian Braun, Leiter des Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement an der Humboldt Universität Berlin. Kooperationen stoßen schon deshalb auf Hindernisse, weil die Strukturen häufig nicht zusammenpassen: Etablierte Träger beschäftigten oft Hauptamtliche, Migrantenorganisationen arbeiten meist ausschließlich mit Ehrenamtlichen. Prof. Braun sagt: „Dass Kooperationen selten sind, liegt vermutlich auch daran, dass Migrantenorganisationen mit denselben Alltagsproblemen zu kämpfen haben wie alle Vereine, die noch jung sind: Sie haben keine hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sind mit sich selbst und mit der Beschaffung von Ressourcen und der Mobilisierung von Ehrenamtlichen beschäftigt. Es hat aber auch damit zu tun, dass es kulturelle Befindlichkeiten gibt und deutsche Verbände sie nur begrenzt einbinden.“ Etablierte Institutionen müssten sich stärker interkulturell orientieren und öffnen. Wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind: ein kooperativer Führungsstil, die gemeinsame Entwicklung von Zielen und die Ausrichtung der Projektarbeit auf die Organisationsstruktur der Migrantenorganisation. Dies bedeutet zum Beispiel auch, dass Sitzungen erst abends stattfinden. Didem Yüksel und Susanne Huth halten es für sinnvoll, Migrantenorganisationen finanziell sowie mit Informationen und Trainings zu stärken. Wichtig sind darüber hinaus regelmäßige Veranstaltungen, bei denen Migrantenorganisationen und etablierte Träger miteinander in Kontakt kommen, sowie die Bereitstellung von Tools und standardisierten Modulen zur Zusammenarbeit. „Auch könnte z.B. auf kommunaler und regionaler Ebene als Bedingung für die Förderung von Projekten definiert werden, dass Migrantenorganisationen mitarbeiten“, sagt Prof. Braun. Eine derartige Förderphilosophie, bei der die Verantwortung und die Mittel für ein Projekt in eine Kooperation aus Migrantenorganisation und etablierten Trägern gehen, sei für bestimmte Themen und Projekte durchaus sinnvoll. Haben Sie Interesse an der Projektgründung? Oder möchten Sie als Migrantenorganisation mit einem Projekt in Ihrer Region kooperieren? Der neue „Leitfaden zur Gründung von Patenschafts- und Mentoringprojekten“ der „Aktion zusammen wachsen“ hilft allen, die ein neues Patenschafts- oder Mentoringprojekt erfolgreich starten wollen (siehe unten). In der Projektdatenbank der „Aktion zusammen wachsen“ können Sie außerdem Projekte bundesweit und nach Schwerpunkten recherchieren: www.aktion-zusammen-wachsen.de. Auch die Integrationsbeauftragten vor Ort oder ganz einfach die Recherche im Internet helfen Ihnen, geeignete Partner für die Zusammenarbeit zu finden. Weitere Ansprechpartner sind die bundesweite sowie die regionalen Servicestellen der „Aktion zusammen wachsen“.
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